Ich
fotografiere Häuser und Gärten und versuche mit den Bildern die Geschichten zu beschreiben, die sie mir zu erzählen haben: ich mache mir Volumen und Räume zu eigen und konstruiere eine visuelle Reise aus Gesamtansichten, Einzelheiten und Bildausschnitten mit Hilfe verschiedener Techniken (Schuss/Gegenschuss). Wenn ich fotografiere, beziehe ich Designer und Eigentümer mit ein, und jedes Mal ist die Geschichte anders, schon bei den kleinen Anekdoten angefangen, und die Zeitspanne der fotographischen Erzählung dauert nicht nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, manchmal zieht sie sich über Tage hinaus. Aber die wahre Geschichte, die nur der kennt, der mich hat fotografieren sehen, ist, dass ich Spezialkameras verwende, die von mir erdacht und eigens konstruiert wurden. Nun haben sie eine endgültige Identität, werden „Free Eye“ genannt und sowohl für Fotoamateure als auch Berufsfotografen gebaut und vermarktet.
Das Buch muss man unter doppeltem Aspekt sehen, denn es zeigt eine zusammengesetzte Route innerhalb moderner Architektur, die auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt ist, die Gallura, wo man bedeutende Erfahrungen mit zeitgenössischer Architektur gemacht hat, fast einzigartig in ihrer Art. Ich durfte die Anfänge miterleben, und war 20 Jahre lang regelmäßiger Besucher als professioneller Fotograf mit einer wachsenden engen Bindung.
Meine ersten Reportagen über die Häuser auf Sardinien werden noch immer veröffentlicht, ich betrachte sie als tragende Säulen einer Konstruktion, die sich mit der Zeit vervollständigt hat, aber nie wirklich fertig gestellt sein wird. Jedes Mal, wenn ich fotografiere nehme ich die neuerliche Entwicklung meiner Arbeit wahr, vor allem für den Ort in den ich mich begeben habe. Deshalb liegt mir viel daran, die gleichen Orte zu besuchen und die gleichen Leute zu treffen: sie führen mich dann zu anderen, die ich vorher nicht gekannt habe. Das Buch erzählt jedoch auch von einem sehr originellen technischen Experiment, von „Free Eye“, meiner Erfindung auf dem Gebiet der Fotografie.
Einer persönlichen Intuition folgend und dank der Zusammenarbeit mit einem genialen wie auch gebildeten Mechaniker stellte ich 1988 den ersten Prototypen von „Free Eye“ aus einer Metall-Legierung her, wie sie bei der Luftfahrt verwendet wird. Nun ist es ein wirkliches Arbeitsinstrument, das wie eine kleine Scheibe aussieht, zwischen Objektiv und dem Körper der Fotokamera montiert wird, um auf schnelle und einfache Weise, alle optischen Bewegungen zu erhalten, die notwendig sind die Perspektive und die fallenden Linien jeder Fotografie zu verbessern, besonders bei geometrischen Objekten.
Bei der Architektur wissen wir, dass jedes Gebäude, jedes seiner Räume und jedes Möbelstück der Einrichtung geometrische Formen hat: ohne Korrektur würden die geometrischen Formen immer mit ganz wenigen Ausnahmen verzerrt oder deformiert erscheinen. Bisher konnten das nur Berufsfotografen korrigieren, indem sie eine große Optische Bank-Kamera verwendeten oder Objektive vom Typ „dezentralisierend“, die teuer, sperrig und unpraktisch sind. Stattdessen wurde seitdem meine gesamte Arbeit mit „Free Eye“ durchgeführt, und die Fotos in diesem Buch sind die besten „Zeugen“. Dank seiner äußerst schnellen Handhabung war es mir möglich, nicht nur Fotograf, sondern auch Reporter zu sein, indem ich mit „korrekten“ Bildern den „flüchtigen Blick“ einfing, der einen am Fenster vorüberhuschenden Lichtstrahl festhielt und ein Boot am Horizont vorbeifahren sah.
All das nur dank einer Intuition: „so wie das Auge die Pupille frei zwischen den Lidern bewegen kann“, so kann man auch ein Objektiv frei bewegen, indem man es innerhalb seines Kreisbereiches über das ganze Bild rotiert.
Dieses Instrument kann man auch, hält man die gleichen Eigenschaften bei, an professionellen Telekameras anbringen, das „Kamera-Bewegungen“ ermöglicht, die es bis dahin nicht gab.
Eindrücke, die dem erlebten Augenblick einen vollkommenen Sinn geben, ihn uns in seiner Ganzheit mit der Empfindung von Zeit und Geschehnissen, die damit verknüpft bleiben, zurückbringen, die jedes Mal wieder zum Ausdruck kommen, wenn wir diese Bilder sehen. Hier ist weder Magie noch Technik im Spiel, es ist die Alchimie verschiedener Faktoren in ihrer Gesamtheit, die untereinander verknüpft sind: ich habe ganz einfach die Möglichkeiten genutzt, die mir das technische Element bot, sich mit meiner Ausdrucksform zu verbinden.
Ich hoffe, dass es Ihnen mit meinem Free Eye ebenso ergeht.